Bekennende kirche: komplett und aktualisiert – 5 entscheidende Fakten

bekennende kirche: Ursprung, Bedeutung und warum sie bis heute relevant ist
Die bekennende kirche war eine kirchliche Widerstandsbewegung innerhalb des deutschen Protestantismus in der Zeit des Nationalsozialismus. Sie formierte sich aus Pfarrerinnen und Pfarrern, Theologinnen und Theologen sowie engagierten Gemeindegliedern, die sich nicht der staatlich gelenkten Kirchenpolitik beugen wollten. Wer verstehen will, wie Glauben, Gewissen und gesellschaftliche Verantwortung zusammengehen, kommt an der bekennende kirche nicht vorbei. Dieser Beitrag erklärt verständlich, woher sie kam, was sie theologisch wollte, wie sie handelte, wo ihre Grenzen lagen – und was wir daraus für heute lernen können.
Gleich zu Beginn ist wichtig: bekennende kirche ist kein homogener Block. Es gab unterschiedliche Strömungen, lokal geprägte Initiativen und starke Persönlichkeiten. Dennoch einte sie der Grundgedanke, Christus als Herr der Kirche zu bekennen – und nicht einen Staat, eine Ideologie oder einen Führerkult.
Historischer Hintergrund: Warum die bekennende kirche entstand
Nach 1933 suchte das NS-Regime, alle Bereiche des öffentlichen Lebens nach seinen Vorstellungen zu formen. Auch die evangelischen Landeskirchen waren betroffen. Eine Bewegung, die sich „Deutsche Christen“ nannte, wollte die Kirche auf Linie bringen – mit Führerprinzip, Blut-und-Boden-Ideologie und antisemitischen Verzerrungen des Evangeliums. In dieser Spannung wuchs die bekennende kirche als Antwort aus dem eigenen Gewissen heraus.
Kirchenkampf: „Deutsche Christen“ versus Bekenntnistreue
Die „Deutschen Christen“ versuchten, eine staatskonforme Einheit „Reichskirche“ zu bauen. Sie befürworteten Loyalität gegenüber dem Regime und propagierten theologische Positionen, die Christus und die Bibel politisch instrumentalisierten. Genau hier setzte die bekennende kirche an: Sie widersprach dem Anspruch des Staates, über die Kirche zu herrschen, und wies die Ideologisierung des Glaubens zurück.
Pfarrernotbund und erste Schritte
Bereits 1933 gründete sich der Pfarrernotbund, eine Vorläuferstruktur der bekennende kirche. Er wandte sich gegen staatliche Eingriffe in kirchliche Ämter – etwa, wenn Pfarrer aufgrund „nicht-arischer“ Herkunft oder politischer Haltung ausgeschlossen werden sollten. Der Pfarrernotbund vernetzte Pfarrer, organisierte Solidarität und setzte Zeichen: Kirche bestimmt ihre Ämter und Lehre nicht nach rassenideologischen Kriterien, sondern nach Schrift und Bekenntnis.
Lehre und Selbstverständnis der bekennende kirche
Die theologische Identität der bekennende kirche wurde besonders durch Synoden (kirchliche Versammlungen) und Bekenntnistexte geformt. Im Zentrum stand eine besonnene, aber deutliche Abgrenzung: Weder Staat noch Partei können Herr der Kirche sein. Das Evangelium ist keine nationale Ideologie, sondern frohe Botschaft für alle Menschen.
Die Barmer Theologische Erklärung (1934)
Die Barmer Theologische Erklärung ist das zentrale Bekenntnisdokument der bekennende kirche. Sie wurde maßgeblich von Karl Barth geprägt und 1934 auf der ersten Bekenntnissynode in Wuppertal-Barmen verabschiedet. Ihre Thesen sind knapp, aber klar. Kernpunkte:
- Jesus Christus ist das eine Wort Gottes, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.
- Die Kirche gehört Christus; kein anderer „Herr“ darf an seine Stelle treten.
- Der Staat hat eine eigene, begrenzte Aufgabe für Recht und Ordnung, darf aber nicht die Verkündigung oder die innere Ordnung der Kirche bestimmen.
- Christlicher Glaube ist nicht mit einer nationalen Ideologie identisch und lässt sich nicht auf „Rasse“ oder „Blut“ reduzieren.
Die Barmer Erklärung war kein politisches Manifest, sondern ein Glaubenszeugnis. Gerade darin lag ihre Kraft: Sie erinnerte daran, wem die Kirche gehört. Wer sich vertieft informieren möchte, findet den historischen Text und Hintergrundmaterial auf der Webseite der Evangelischen Kirche in Deutschland: Barmer Theologische Erklärung: Text und Einordnung.
Prägende Persönlichkeiten
Zur bekennende kirche gehörten unterschiedliche Stimmen: Karl Barth als theologischer Denker, Martin Niemöller als prominenter Pfarrer, Dietrich Bonhoeffer als Ethiker und Mitglied im Widerstand. Ihre Biografien zeigen Nuancen: Nähe zur Kirche, persönliches Ringen, teils direkte Beteiligung an politischen Widerstandsnetzen. Die Bewegung war breit – von mutigen Ältesten in Kirchengemeinden bis zu Studierenden, die Predigerseminare der bekennenden kirche besuchten (etwa Finkenwalde bei Bonhoeffer).
Woran man die bekennende kirche im Alltag erkannte
Widerstand zeigte sich oft im Konkreten: in Pfarrhäusern, Gemeindesälen, bei Taufen, in Konfirmandenstunden, in den Predigten am Sonntag. bekennende kirche bedeutete nicht nur Synoden und Texte, sondern gelebte Gemeinschaft gegen den Druck der Gleichschaltung.
Staatlicher Druck und kirchliche Praxis
Die bekennende kirche organisierte eigene Strukturen: Bekenntnissynoden, bruderschaftliche Pfarrkonvente, Hilfskassen für entlassene Pfarrer. Manche Gemeinden hielten sich an die Anweisungen der bekennende kirche und ignorierten staatliche Eingriffe in Predigtpläne oder Lehrbücher. Wo staatliche Behörden einschritten, reichte die Palette von Überwachung über Verhöre bis hin zu Verhaftungen – etwa bei Martin Niemöller. Dennoch blieb ein Großteil kirchlichen Lebens bestehen, getragen von Menschen, die ihr Gewissen ernst nahmen.
Beispiele aus Gemeinden
- Konfirmandenunterricht ohne ideologische Zusätze: Unterricht am biblischen Text, statt „weltanschaulicher Schulungen“.
- Predigten, die Christus in den Mittelpunkt stellten – nicht Nation oder Führer.
- Solidarität mit aus dem Dienst gedrängten Kolleginnen und Kollegen.
- In einigen Fällen praktische Hilfe für Verfolgte; in anderen Fällen leider auch Zurückhaltung aus Angst.
Grenzen und Ambivalenzen: Kritik an der bekennende kirche
Wer die bekennende kirche würdigt, sollte zugleich ehrlich über ihre Grenzen sprechen. Sie bekannte Christus als Herrn – doch das schützte nicht automatisch vor blinden Flecken. Nicht alle Mitglieder traten offen gegen die Verfolgung von Jüdinnen und Juden auf, und mancher sprach sich zwar gegen die Ideologisierung des Glaubens aus, blieb aber politisch vorsichtig.
Verhältnis zum Judentum – Mut und Versäumnisse
Ein Teil der bekennende kirche widersprach deutlich der Anwendung „rassischer“ Kriterien in der Kirche und eilte jüdischstämmigen Christinnen und Christen beizustehen. Einzelne Personen (etwa Bonhoeffer) gingen weiter und erkannten den grundsätzlichen Skandal des Antisemitismus. Insgesamt aber blieb die Bewegung in dieser Frage uneinheitlich. Historische Einordnungen dazu bietet das United States Holocaust Memorial Museum: The Protestant Churches and the Nazi State.
Mehrheitsverhältnisse, Mut und Schweigen
Die bekennende kirche war zahlenmäßig nie die Mehrheit. Viele Christinnen und Christen blieben passiv oder hofften, sich irgendwie arrangieren zu können. Heldenmut war nicht Alltag – er blieb die Ausnahme. Gerade deshalb ist es wichtig, die Ambivalenz zu benennen: Es gab beeindruckende Bekenntnisse, aber auch Schweigen und Zögern. Das schmälert nicht die Leistung derer, die standen – es hilft, aus der Geschichte ehrlich zu lernen.
Wirkungsgeschichte: Was blieb von der bekennende kirche?
Nach 1945 prägte die bekennende kirche die Neuordnung der evangelischen Kirchenlandschaft in Deutschland. Die Gründung der EKD, Debatten um Schuld und Verantwortung, der Neuaufbau kirchlicher Ausbildung – all das stand unter dem Eindruck der Erfahrungen aus der Zeit des Kirchenkampfes. Die Barmer Erklärung fand einen festen Platz im breiten Spektrum evangelischer Bekenntnisse. Auch international wirkte das: Kirchen weltweit diskutierten, wie sie in autoritären Kontexten ihrem Auftrag treu bleiben können.
Schuldbekenntnisse und Neuanfang
Wichtige Texte nach dem Krieg, etwa das Stuttgarter Schuldbekenntnis (1945), reflektierten Schuld und Versagen. Sie standen in Spannung und Kontinuität zur bekennende kirche: Einerseits gab es Menschen, die mutig widersprochen hatten; andererseits musste die Kirche als Ganze bekennen, vielerorts zu wenig getan zu haben. Diese doppelte Perspektive – Dankbarkeit für gelebtes Bekenntnis und nüchterne Selbstkritik – prägt bis heute die evangelische Erinnerungskultur.
Aktuelle Relevanz: Was wir heute lernen können
Die wichtigste Gegenwartsfrage lautet: Was bedeutet es in unserer Zeit, zu bekennen? bekennende kirche erinnert daran, dass christlicher Glaube nicht käuflich ist – er gehört keinem Staat, keiner Partei, keiner Ideologie. Für demokratische Gesellschaften ist das eine Ressource: Menschen, die aus Gewissen und Glauben handeln, stehen für Menschenwürde und Rechtsstaat ein. Das gilt in Fragen von Antisemitismus, Rassismus, Menschenrechten oder Meinungsfreiheit – überall dort, wo Würde und Wahrheit auf dem Spiel stehen.
So verstehen und vertiefen Sie das Thema bekennende kirche
Wer tiefer einsteigen will, findet reiches Material: Briefe, Predigten, Protokolle von Synoden, Biografien, Fotos und Zeitzeugnisse. Ein guter Einstieg ist die Zusammenfassung auf Wikipedia, die wichtige Begriffe und Personen bündelt: Bekennende Kirche – Überblick und Geschichte.
Schritte für eine fundierte Auseinandersetzung
- Begriffe klären: Was bedeutet „Kirchenkampf“? Wer waren die „Deutschen Christen“? Was ist ein „Bekenntnis“?
- Schlüsseltexte lesen: Die Barmer Theologische Erklärung, Predigten Bonhoeffers oder Niemöllers.
- Biografien studieren: Karl Barth, Dietrich Bonhoeffer, Martin Niemöller – Unterschiede verstehen.
- Lokale Spuren suchen: Gemeindechroniken, regionale Archive, Stolpersteine, Erinnerungsorte.
- Ambivalenzen bedenken: Mut und Angst, Mehrheit und Minderheit, Glauben und Politik.
- Brücke in die Gegenwart schlagen: Wo ist heute Bekenntnis gefragt – in Kirche, Gesellschaft, Beruf?
Bezugspunkte im kirchlichen Alltag
Auch wer nicht theologisch geschult ist, kann an Alltagsthemen anknüpfen. Taufen, Konfirmationen, kirchliche Feste und diakonisches Engagement zeigen, wie Glaube praktisch wird – und wo es darauf ankommt, den Kern nicht zu verwässern. Praktische Inspirationen für solche Anlässe finden Sie etwa hier: Geschenkideen zur Taufe. Solche Zugänge helfen, die Brücke von historischen Fragen zur Lebenswelt heute zu schlagen.
Typische Missverständnisse zur bekennende kirche – und was wirklich stimmt
- „Das war ein geschlossener Widerstandsblock.“ – Nein. Die bekennende kirche war innerlich vielfältig, mit Spannungen und unterschiedlichen Schwerpunkten.
- „Alle in der Bewegung waren politischer Widerstand.“ – Teilweise. Viele setzten vor allem theologische Signale, einige leisteten darüber hinaus politischen Widerstand.
- „Die Barmer Erklärung war eine politische Kampfansage.“ – Sie war in erster Linie ein theologisch-bekenntnishaftes Wort – gerade dadurch war sie subversiv gegenüber totalitären Ansprüchen.
- „Die bekennende kirche löste alle Probleme der Zeit.“ – Nein. Sie blieb eine Minderheit und hatte blinde Flecken, besonders im Verhältnis zum Judentum.
Wie Geschichte konkret wird: Orte, Quellen, Begegnungen
Geschichte bleibt lebendig, wenn man Orte besucht oder mit Quellen arbeitet: Gedenkorte, ehemalige Predigerseminare, Gemeindearchive. Viele Gemeinden dokumentieren ihre Geschichte online, oft mit Fotos, Predigtauszügen und Interviews. Wer sich thematisch weiter orientieren möchte, findet auch auf thematisch verwandten Seiten Anknüpfungspunkte und Denkanstöße zu Ethik, Gewissen und gesellschaftlichem Verhalten – zum Beispiel unter weitere ähnliche Themen.
Recommended external resources
- Bekennende Kirche – Überblick, Personen und Ereignisse (Wikipedia)
- EKD: Barmer Theologische Erklärung – Text, Hintergrund, Wirkung
- United States Holocaust Memorial Museum: The Protestant Churches and the Nazi State
Frequently asked questions about bekennende kirche
Was bedeutet „bekennende kirche“ genau?
Der Ausdruck beschreibt eine Bewegung innerhalb der evangelischen Kirchen im „Kirchenkampf“ der 1930er und 1940er Jahre. „Bekennend“ meint: Die Kirche bekennt sich ausdrücklich zu Christus als ihrem Herrn und grenzt sich gegen ideologische Vereinnahmung ab. bekennende kirche war daher keine neue Konfession, sondern eine Erneuerungs- und Widerstandsbewegung in bestehenden Landeskirchen.
Worin unterschied sich die bekennende kirche von den „Deutschen Christen“?
Die „Deutschen Christen“ wollten die Kirche auf die Linie des NS-Regimes bringen und verbanden theologische Aussagen mit nationalsozialistischen Ideen. Die bekennende kirche widersprach dem: Sie betonte die Bindung an die Bibel, an die reformatorischen Bekenntnisse und an Christus als das eine Wort Gottes. Staat und Partei sollten nicht bestimmen, was in der Kirche geglaubt und gelehrt wird.
War die bekennende kirche politischer Widerstand?
Überwiegend verstand sie sich als theologische Erneuerungsbewegung und kirchliches Bekenntnis. Manche Akteurinnen und Akteure gingen darüber hinaus in den politischen Widerstand, andere blieben in ihrer Kritik auf kirchliche Fragen beschränkt. Beides gehört zur historischen Wahrheit.
Welche Rolle spielten Bonhoeffer, Niemöller und Barth?
Dietrich Bonhoeffer verband Theologie mit ethischer Verantwortung und beteiligte sich am Widerstand gegen Hitler. Martin Niemöller wurde als prominenter Pfarrer verhaftet und prägte die öffentliche Wahrnehmung der Bewegung. Karl Barth lieferte theologische Grundlagen, besonders in der Barmer Erklärung. Alle drei stehen für unterschiedliche Zugänge innerhalb der bekennende kirche.
Hat die bekennende kirche jüdischen Menschen geholfen?
Einige haben konkret geholfen, andere blieben vorsichtig oder taten zu wenig. Die Bewegung war in dieser Frage nicht einheitlich. Es gab beeindruckende Beispiele der Nächstenliebe – und zugleich Versäumnisse. Historische Forschung beleuchtet diese Ambivalenz inzwischen sehr differenziert.
Gibt es heute noch eine „bekennende kirche“?
Die historische Bewegung existiert so nicht mehr. Aber ihre Impulse wirken fort: Die Barmer Erklärung gehört zum Selbstverständnis vieler evangelischer Kirchen. Und die Frage, was „Bekennen“ heute bedeutet – etwa bei Menschenwürde, Demokratie und Antisemitismus – bleibt aktuell.
Conclusion on bekennende kirche
Die bekennende kirche war eine Antwort des Gewissens auf die Anmaßung eines totalitären Staates. Sie bekannte, dass Christus Herr der Kirche ist – nicht Partei, Führer oder Ideologie. Dieses Bekenntnis war mehr als ein Text: Es wurde gelebt in Gemeinden, Predigten und solidarischen Netzwerken. Zugleich bleibt die Einsicht, dass Mut und Versagen nebeneinander existierten, ein wichtiger Teil der Erinnerung.
Wer die Geschichte der bekennende kirche studiert, entdeckt Inspiration und Warnung zugleich. Inspiration, weil Menschen aus ihrem Glauben heraus Nein sagten zur Entwürdigung und Vereinnahmung. Warnung, weil Schweigen und Anpassung auch in Kirchen vorkommen können. Für unsere Gegenwart heißt das: wach bleiben, differenziert urteilen und da bekennen, wo Würde, Recht und Wahrheit angegriffen werden.
Als historische Bewegung ist die bekennende kirche abgeschlossen, als moralischer Kompass bleibt sie aktuell. Sie erinnert uns daran, dass die Freiheit der Kirche – und damit die Freiheit des Gewissens – ein kostbares Gut ist, das Schutz und mutige Stimmen braucht. Wer das ernst nimmt, wird Geschichte nicht nur betrachten, sondern aus ihr handeln.

